The Phantom-X-mas-Tour

  

20.12.03 Köln - London - Phoenix - Las Vegas
Yes well,  und wieder geht es, nun also zum 23. mal,  in die USA!

7:45

Obwohl die Nacht recht kurz war, fällt das Aufstehen im Vergleich zu sonst eher leicht. Außer der Tatsache, dass uns noch viele Stunden Flug und "Auf-sein" bevorstehen, tröstet die Aussicht, heute Abend bereits in unserer zweiten Heimat zu sein,  ungemein. 

Um 8.00Uhr sollen uns Erika und Mike abholen, als sie um 7:45 Uhr vor der Tür stehen, wird es doch noch recht hektisch. Wir schaffen es noch nicht einmal, unseren Videorekorder auf Lindenstraße zu programmieren. 

Wenige Minuten Autofahrt vom Haus entfernt stellen wir fest, dass mein Personalausweis noch auf dem Wohnzimmertisch liegt. Den kleinen Umweg werden uns die Nachbarn danken: Bei der Gelegenheit schalten wir nämlich auch gleich unsere zwei Wecker aus, die die Nachbarschaft in den nächsten zwei Wochen penetrant genervt hätten.

 

 

Wolken, Wolken, Wolken...

 

Unsere Maschine von Köln nach London geht "just in time"! 

Nach einem kurzen Zwischenstopp machen wir uns auf den Flug über Phoenix nach Las Vegas. Alles klappt wie am Schnürchen: alle Maschinen fliegen pünktlich, Koffer sind ebenso wenig verlustig wie Papiere und Sonstiges. 

Sogar die Einreise beim Zwischenstopp in Phoenix geht in rekordverdächtiger Zeit. 

 
 

Das wohl berühmteste Ortseingangsschild der Welt  

 

In Las Vegas machen wir uns sogleich auf den Weg zum Autovermieter Alamo. 

Während Anita alle Formalitäten regelt, suche ich akribisch unser Auto aus. Ich wäge ab zwischen einem Buick (siehe letzter Urlaub) und einem Chevrolet Blazer. 

 
 

Chevroler Blazer

 

Wagen 1: Ich entscheide mich für einen ziemlich neuen schneeweißen Chevy. Schneeweiß, aber das wird sich ändern! Am Ausgang von Alamo weist man mich darauf hin, dass das Auto, das gerade mal 2500 Meilen auf dem Tacho hat, eigenartige Geräusche von sich gibt. Man empfiehlt uns den Tausch und so parke ich den Wagen nach wenigen Minuten bereits wieder und beginne die Prozedur der Auswahl von vorne. Ich entscheide mich zunächst für einen Pontiak mit einem Meilenstand von 3(!). Doch leider scheint er keinen zuschaltbaren Allrad-Antrieb zu haben (oder aber alles sehr intelligent gesteuert und somit nichts für mich!) und ausserdem hat er keine Dachreling, die wir für unseren Dachsack benötigen. 

 
 

Chevrolet Blazer

 

Wagen 2: Also fällt die Wahl abermals auf einen weiteren Blazer, diesmal mit etwa 25.000Meilen. Wir packen den Wagen sorgfältig "eins zu eins" um und fahren abermals zum Ausgang. Dort stellt man nun fest, dass die Inspektion des Wagens bereits überfällig ist. Daher nochmals die selbe Prozedur: Mittlerweile kennt man uns schon und alle Bediensteten bedauern uns im offensichtlich selben Umfang wie sie sich auch amüsieren. Ein Mitarbeiter fährt uns zum Wagenpark und verspricht, uns jetzt einen besonderen Wagen zu besorgen. Gerade kommt wieder ein ziemlich groß aussehender Wagen, den ich mir sofort kralle, nachdem er geparkt wird: 

 

Unser "Trail Blazer"

Wagen 3: Wieder ein Chevrolet Blazer, allerdings das neue und große Modell namens "Trail". Uns erwarten 4,2Liter Hubraum und fast 280PS.

Nachdem wir alles beladen haben, will sagen zum zweiten Male umgeräumt haben, verlassen wir nun doch endlich erfolgreich und zufrieden Alamo ...

KLICK: Bild ist aus dem Internet "gemopst"

und erreichen in einigen Minuten unser Motel, das Best Western "McCarran Inn". 

 

ANKLICKEN: Unser Motelzimmer  

Das obligatorische Umräumen aller Taschen im Motel hält sich diesmal erstmalig in Grenzen, da wir ja die meisten Sachen in unserem Storage gebunkert haben. Für unsere Verhältnisse ungewöhnlich früh schlafen wir gegen 22Uhr ein und freuen uns auf die zwei kommenden Wochen.  

         

21.12.03

Las Vegas,NV - Zion N.P.,UT

ANKLICKEN: Anita beim besten Frühstück der Welt  

Wir erwachen und gehen umgehend nach der "Morgentoilette"  nach unten zum berühmten "besten Frühstück der Welt", das -wie bereits in den anderen Tagebüchern erwähnt- sicherlich nicht wirklich soooooo besonders ist, für uns jedoch das beste Frühstück der Welt darstellt, weil es den Urlaub einläutet. 

 

ANKLICKEN: Bilder vom Einpacken

Wir machen uns auf den Weg zum Storage um hier unsere eingelagerten Utensilien aufzunehmen und all die Dinge, die wir in den nächsten Wochen nicht benötigen, zu verstauen. Das ganze kostet seinen Preis: rund zwei Stunden benötigen wir hierfür, wobei das Anbringen des Packsackes auf dem Dach einschließlich aller notwendigen Justagearbeiten am längsten benötigt. Voll bepackt und verstaut verlassen wir den Platz und fahren Richtung Zion N.P....

 

ANKLICKEN: Der Wagen füllt sich

 

natürlich nicht ohne in St. George beim Walmart  unsere Vorräte aufzustocken. 

Obwohl wir diesmal wieder zu zweit sind und einen Dachsack für das Auto haben, schaffen wir es auch diesmal, die Karre vollzuladen! Leider finden wir bei Walmart nicht alles, was wir benötigen: Holzkohle fehlt genauso wie unsere beliebten "Bearclaws" und Feuerholz. Dafür haben wir aber u.a. zwei Campingstühle erstanden, die wir hoffentlich noch oft nutzen werden.

 
 

ANKLICKEN: Traumhafter Sunset

 

Die Tage sind um diese Jahreszeit merklich kürzer. Wir erreichen den Zion N.P.  gegen 16.30 und müssen feststellen, dass es bereits anfängt zu dämmern. Die Sonne senkt sich und ergießt ein schönes Licht über die hohen Zinnen des Zions.  Unser Campground vom Sommer, der South Campground ist geschlossen. Überhaupt sind alle Campgrounds im Zion N.P. geschlossen, nur der  Watchman-Campground ist geöffnet aber auch hier ist nur die Loop B. 

 
 

Unser Dinner, zwangsläufig im Auto

 

Wir erreichen unseren Campground und Unangenehmes zieht sich zusammen: Das Licht geht weg, stattdessen fängt es an zu regnen. In kürzester Zeit haben wir unser Zelt aufgebaut. Während Anita im Regen unser BBQ anschmeißt, bereite ich im Zelt schon mal alles vor. Dennoch bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere Steaks im Auto  zu essen. Unser Lagerfeuer lodert schön, leider sehen wir es nur durch die verregneten Scheiben des Autos. Es wird zunehmend kälter und gegen 20Uhr kriechen wir im Stockdüsteren in unsere Schlafsäcke. 

 
   

Erkenntnisse dieser Nacht: 

1.Es ist kalt! 

2. Die Schlafsäcke halten trotz der eisigen Kälte mollig warm, wenn sie zu sind. 

3.Große zusammengezippte Schlafsäcke, in denen zwei Personen liegen, sind nicht zu! 

4. Beim Anziehen der frischen Klamotten ist es ratsam, diese vorher mit in den Schlafsack zu nehmen, damit "es nicht ganz so frisch" ist! 

 
     
  22.12.03   Zion NP, UT - Grand Canyon NP,AZ  
  - 10Grad  

Wir erwachen und Anita hat in dieser Nacht zu den o.g. Punkten noch etwas dazugelernt: 

Wer viel trinkt muss nachts auf  Toilette, und das kann -wenn es draußen eiskalt ist- saukalt sein!!! 

Während wir anfangen unser Zelt abzubauen, werfen wir einen Blick auf unser importiertes Thermometer. Die "-10Grad" darauf erklären uns im nachhinein, warum uns die Nacht arg kalt vorkam. Dennoch sind wir stolz, alles mit unserem Equipment gut überstanden zu haben und letztlich wissen wir, dass es in den nächsten zwei Wochen schlimmer (ich meine "kälter") wohl kaum werden kann.

 

Frauen bei Kälte  

Das morgendliche Anziehen ist frisch, was geschlechtsspezifisch recht  unterschiedlich empfunden wird! Anita friert !!!

Das Golden Hills Restaurant

Aufgrund der klirrenden Kälte beschließen wir, nicht outdoormäßig zu frühstücken und stattdessen eine unserer beliebten Ketten (Mc.Donald`s oder Burger King) anzusteuern. Doch wie es der Zufall, vielmehr unsere Route so will, nähern wir uns kontinuierlich dem "Golden Hill"-Motel nebst Restaurant. Kundigen Lesern unserer Reiseberichte muss an dieser Stelle nicht mehr erklärt werden, was das "Golden Hill"-Motel für uns bedeutet. Neu hinzugekommenen oder recht vergesslichen Lesern sei dies kurz erklärt: Neben typisch amerikanischer Küche ist das Restaurant für seine Scones berühmt, einem Brandteiggebäck, das mit "Honey-Butter" gegessen -will sagen geschlemmt - wird. Bisweilen haben wir nur das Dinner erlebt, entschließen nun jedoch  je näher wir kommen, einmal fachkundig zu überprüfen, wie denn das Breakfast ist (wenn es denn eins gibt, was wir im Moment vermuten und noch mehr hoffen)

 

Anita mit ihrem dezenten Omelette

 

Heller als die Lichtreklame des Restaurants leuchten unsere Augen, als wir den kleinen Parkplatz anfahren und erkennen können: Es gibt Breakfast. Wir breakfasten daher typisch amerikanisch "Eggs, Ham and so on". Anita nimmt das "Three-Eggs-Omelette - spanish style", ich hingegen "Western-Style".

Und natürlich SCONES.

 
 

Das "hellerleuchtete" Motelzimmer im Grand Canyon

 

Gut gesättigt steuern wir den Grand-Canyon an und checken in der Maswik-Lodge ein. Diesmal haben wir ein Einfach-Zimmer gebucht, das seinem Namen gerecht wird: Es ist wesentlich kleiner und...dunkel. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es in den Staaten durchaus üblich ist, die Zimmer mit kargem Licht auszustatten. Doch dieses Zimmer schlägt alles, was wir bisher hatten. Wir erwarten ja keine Studio-Beleuchtung, vielmehr möchten wir nur unser Equipment für das morgige Trekking fertig stellen bzw. aufrüsten. Und das gelingt nur recht umständlich im Schimmer einer romantisch anmutenden Illumination. Wir fragen uns, ob es im Raum überhaupt hell wird, wenn wir das Licht einschalten und nicht eher dunkel???.  Wir können nur hoffen, dass wir in der Dunkelheit  nichts vergessen oder verlieren. (ANMERKUNG DER REDAKTION: ES WURDE DOCH ETWAS VERLOREN, ANITAS ERSATZ-WANDERSOCKEN SIND DEM LICHT ZUM OPFER GEFALLEN UND IM MOTEL VERBLIEBEN!!!

 
 

ANKLICKEN: Unsere kleine Ladestation

 

Nachdem die Koffer (=Rucksäcke) gepackt sind, bestätigen wir in der Lodge noch kurz unser  Essen auf der Phantom-Ranch und legen wir uns zur Ruhe um uns -genau wie unsere Technik- für die nächsten Tage noch ein wenig aufzuladen. Dabei denken wir noch eine ganze Weile darüber nach, ob das, was wir hier i den nächsten Tagen veranstalten werden, auch richtig und wirklich gut für uns ist. Gegenseitig fragen wir uns: "Ja, willst du lieber nicht?" Vermutlich hofft jeder, dass sich der Partner gegen unsere morgige Tour ausspricht. Das tut jedoch keiner von uns.  Eigentlich will ja auch jeder, wo wir uns doch so lange auf diese Tour freuen und schon mal das große Glück hatten, eine Permit über Weihnachten für die Phantom-Ranch ergattert zu haben. Also duseln wir langsam in den Schlaf, jedoch nicht ohne Anitas typischen Ausspruch zu solchen Situationen: "Oweiiiiiiiii!"

 
         
  23.12.03   Grand Canyon - South Kaibab Trail - Phantom Ranch  
 

Anita mit "kleinem" Gepäck

 

Eigentlich hatten wir ja geplant, den Tag recht gemütlich anzugehen und uns mit einem Frühstück in unserer Lodge für unser Abenteuer zu stärken. Aber dann sind wir doch so aufgeregt und nervös, dass wir nur noch schnell auschecken und den Wagen auf einen belebten Parkplatz stellen. Sodann hängen wir uns (noch!) lässig unser "kleines" Backpack auf den Rücken und nehmen den "Hiker`s-Express-Shuttle", der uns zum Trailhead des South Kaibab Trails führt. Dieser Shuttle fährt am Morgen zweimal (um 8.10Uhr und 9.10Uhr) von unserer Lodge ab und bringt die wanderwütigen / -verrückten Hiker zum Ausgangspunkt aller weiteren Qualen. 

 
 

Das letzte Foro "vorher"

 

Beim Aussteigen wünscht uns die Fahrerin noch "Have a nice day!" Sieht sie uns denn am Gepäck und der Angst im Gesicht nicht an, dass es sich nicht nur um ein "Day" sondern mehrere "Days" handelt? Nach einigen wenigen kollektiven Stretch-Übungen mit Leidensgenossen, die die Muskeln auf Betriebstemperatur bringen sollen, und einem "Das war das letzte Foto vorher-Bild" reihen wir uns ein in den Treck derer, die meinen, dort unten gibt es etwas, was es hier oben nicht gibt. Das Gepäck, jeweils an die 20 Kilo schwer, liegt fest auf Becken und Schulter und so trapsen wir Schritt für Schritt nach unten. Es ist ja verrückt: Wir wissen genau, dass jeder Schritt, den wir jetzt noch locker abwärts setzen uns in zwei oder drei Tagen mindestens zwei um so härtere Schritte nach oben kostet. Wir entschuldigen diese Rechnung damit: Es muss da unten etwas geben, was es hier oben nicht gibt!

 
 

Profil des Abstiegs

 
 

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Der South Kaibab Trail geht (siehe obiges Profil)  knapp sieben Meilen (für alle nicht involvierten und Lauffaulen: das sind etwa 11km!!!) in die Tiefe. In die Tiefe bedeutet, dass wir über diesen Trail etwa 1500m absteigen, also eine bemerkenswerte Steigung bzw. Gefälle, was sich nach einigen Stunden in unseren Muskeln und Knien wiederspiegelt. Mit einer kurzen Verschnauf- und Austretpause bei Cedar Ridge erreichen wir nach sechs Stunden Dauerabstieg unser Ziel: Die Phantom-Ranch am Boden des Grand Canyons. Bis etwa 1 km vor dem Ziel verläuft der Abstieg für mich zwar anstrengend, ist aber insgesamt ganz "o.k". Doch dann verlassen mich schlagartig  in Sichtweite des Campgrounds die Kräfte und das ganze wird auf dem letzten Stück noch zur Qual. 

 
 

  Die Phantom-Ranch heißt uns willkommen  
 

"Die Anstrengung steht uns in den Gesichtern geschrieben"

 

Mit letzten Kräften erreichen wir den Campground und nehmen -möglichst schnell- die erste freie und nette Site. Das Wetter ist sonnig und mit den etwa 10 Grad empfinden wir den Empfang hier unten recht angenehm. Doch zunächst nehmen wir diese Tatsache kaum wahr, sind wir doch nur damit beschäftigt, auf der Bank zu sitzen und uns mit glasigen Augen, offenen Mündern und raushängenden Zungen gegenseitig ein wenig abwesend anzusehen. 

 
 

Das neue HiTec-Zelt

 

Zum Glück verlässt uns das Gefühl "Was soll dieser Quatsch?. Erste zaghaft aufkeimende Kräfte bündeln  wir um unser kürzlich erworbenes "Hi-Tec-Zelt" erstmalig aufzubauen. Unser damaliger Versuch, das Zelt zur Probe einmal in unserem Wohnzimmer aufzubauen, endete mit dem unvorhergesehenen und schnellen Abräumen unseres Tisches. Einen weiteren Versuch hat es daraufhin nicht mehr gegeben. So beschäftigen wir uns jetzt zunächst mit der Frage, wie denn der Grundriss des Zeltes  ist und wo sich wohl der Eingang versteckt. Zum Glück ist unsere Site schlecht einsehbar: Mit Mühe, Not und ungeplantem Slapstick gelingt uns schließlich der Aufbau. Beim Innenausbau stelle ich fest, dass die Aussage des Verkäufers, unser Zelt sei in dieser Gewichtsklasse das unangefochtene Raumwunder ist, richtig ist. Zwei Personen plus Gepäck finden hier bequem Platz. 

 
 

Hoch aufgehängte Backpacks schützen vor Ungeziefer und neugierigen Squirls und Ratten

 

Allerdings gehört das Gepäck nicht in das Zelt sondern außerhalb auf eine hohe Stange, was es den heimischen Tieren unmöglich machen soll, die Lebensmittelvorräte der Hiker zu plündern.

 
  Trockenfutter,...das auch noch schmeckt  

Unser Vorhaben, am selben Abend noch die Ranch nebst Kantine  zu besuchen, werfen wir angesichts unserer Beine über den Haufen. Wir sind so platt von der "langen Reise", dass wir nur noch den Kocher anschmeißen, Kaffee kochen und Freezed-Dry-Nahrung zu uns nehmen: Es gibt  Beef Stroganoff (heißt so bei den Amerikanern) als ersten Gang und zum Nachtisch "Rasberry". Ich kann nicht sagen, ob die Speisen wirklich gut zugerichtet sind oder ob es unser Hunger ist: Das Zeug schmeckt aber richtig gut!

 
     

Nach der Nahrungsaufnahme legen wir uns kurz "zu Bett" und werden beim Einduseln von einer sonoren Stimme "Anybody at home?" geweckt. Vermutlich war es auch nur "Anybody home?" oder sogar "Any...home?" Der Ranger begrüßt uns, bittet uns um unsere Hilfe, den Platz gemeinsam mit ihm sauber zu halten und ein Auge darauf zu werfen. Ich stelle fest, dass diese Ranger rhetorisch geschickt geschult sind. So würde ich die Sache auch in die Hand nehmen. Neben den allgemeinen Dingen (z.B. nicht auf dem Tisch zu kochen - weshalb auch immer?) weist er uns noch auf dieWettervorhersage hin, wonach das Wetter morgen noch gut sein wird, sich jedoch am übernächsten Tag  gegen Mittag ein kräftiger Schneesturm anbahnt.

 
 

Verkriechen in unsere Gemächer

 

Diese Worte lassen uns noch blasser erscheinen als wir schon sind. Sollen wir nun morgen schon wieder hoch gehen oder doch übermorgen erst aber dafür auf einen Rutsch durchgehen ohne eine Nacht auf Indian Gardens zu verbringen? Wir entscheiden uns: Wir ziehen unser Programm durch! Und mit diesem Entschluss kriechen wir nach einiger Zeit des Denkens wieder zurück in unsere Schlafsäcke. Wir bestätigen uns gegenseitig, dass wir heute eine für uns "verdammt gute" Leistung gezeigt haben, dass wir nun wieder einen unserer Träume verwirklicht haben (wenn wir wieder gesund oben ankommen!) und dass schon alles gut gehen wird. Also dann, gute Nacht!

 
         
  24.12.03   Phantom Ranch (Weihnachten)  
 

Merry Christmas

 
 

Aufstehen mitten in der Nacht

 

Die Nacht endet wie geplant sehr früh. Bereits um 3:45Uhr weckt uns unser Handy. Wir hatten für unseren Trip von Zuhause aus zwei Essen auf der Ranch reserviert: Das Steak-Dinner um 17:00Uhr und das Breakfast. Breakfast gibt es in zwei Schichten, leider hatten wir nur noch zwei "Early-Birds" um 5:30Uhr(!) buchen können. Und man sagte uns gleich, dass wir absolut pünktlich erscheinen sollen, weil das Frühstück sonst im wahrsten Sinne des Wortes gegessen ist. Und da wir die Entfernung dorthin nicht kennen, machen wir uns schon um 4:45Uhr auf den Weg von der Campsite zur Dining-Hall der Phantom-Ranch. Im Stockdüsteren bahnen wir uns mit unseren Kopfleuchten den Weg und sind bereits nach wenigen Minuten dort, so dass wir also eine halbe Stunde vor der Tür warten müssen. Die Luft erscheint uns mit knapp 10Grad lauwarm und so nutzen wir die Zeit, unserer Verwandtschaft und Bekanntschaft vom einzigen Telefon des Inner Canyons "Happy Holydays" zu wünschen.

Das Frühstück ist reichhaltig, die Stimmung an den großen Tischen gut und zwangsläufig kommt man mit den  Leidensgenossen ins Gespräch. Der Preis fürs Frühstück scheint zwar zunächst recht hoch zu sein, bedenkt man jedoch, dass alles, wirklich absolut alles, mit Mulis vom Canyonrand zum Bottom geschleppt werden muss, dann ist der Preis angemessen.

Schlagartig wird das Ende des Frühstücks mit dem Hinweis eingeläutet, man möge jetzt zum Ende kommen, da bereits das nächste Frühstück vorbereitet werden muss. Wir machen uns zurück auf den Weg zur Campsite um die Nacht mit noch etwas Schlaf ordentlich ausklingen zu lassen. 

 
 

Anita in der Dining Hall

 

Nach dem zweiten Erwachen laufen wir wieder zurück zur Phantom-Ranch. Mittlerweile ist auch die Sonne aufgewacht und zeigt uns, was wir morgens im Lichte unserer Kopflampen allerhöchstens erahnen konnten: Mehrere kleine Häuschen oder Hütten zieren den Weg zur Dining-Hall, wo wir uns nun über das reichhaltige Angebot informieren möchten und sogleich zuschlagen: T-Shirt und Kappe, die es einzig und allein hier unten gibt, zwei Kaffee und eine Limonade. Als wir den Preis hören verschlägt es und die Sprache: $75. Donnerwetter, das ist es also, was es hier unten gibt und oben nicht!

Ich nutze die Zeit, um heimlich Anita eine Karte in die alte Welt zu schreiben.

 
 

ANKLICKEN: Bilder vom Bottom

 

Nachdem wir uns vom Preisschock erholt haben gehen wir zurück zum Zelt, nehmen die Kameras und drehen eine Runde auf dem River-Trail, ein etwa 2,4 Meilen langer Walk, der uns eindrucksvoll zeigt, was es außerdem nur hier unten und nicht oben gibt!

Unsere Beine und insbesondere die Waden rufen uns mit jedem Schritt den gestrigen Abstieg in Erinnerung. Bergauf geht es ja noch, bergab und insbesondere Stufen werden zur Qual. 

 
 

Trivial Persuit

 

Wir machen einen kleinen Umweg zur Dining-Hall, toppen unseren Einkauf mit einem Sticker und einem Patch, trinken wieder Limonade und Kaffee, stellen fest, dass sich der Verkäufer am Vormittag um $20 vertan hat und spielen etwas amerikanisches Trivial Persuit, was hier ausliegt.

 
     

Zurück auf dem Campground besucht uns der Ranger wieder, der nun aktuelle Informationen zum Wetter hat: Es könnte regnen (30%-Chance), in der Nacht vom 25. auf 26. wird ein kräftiger Sturm auf den Canyonrand treffen und oben am Rand wird es schneien, was sich bis auf Indian Gardens auswirken könnte. Der Ranger verlässt uns und wir beschließen nochmals: Wir ziehen unseren Plan durch, komme was wolle.

 
 

Gemütliches Steak-Dinner in der Dining-Hall

 

So vergeht der Tag weitaus schneller als gedacht und schon wieder machen wir uns auf den Weg zur Dining-Hall, diesmal zum Steak-Dinner. Neben der Tatsache, dass das Essen toll  und die Stimmung wieder gemütlich ist, fällt uns noch etwas anderes auf: Zur Dining-Hall führt eine Treppe, eigentlich gar keine Treppe sondern nur fünf oder sechs Stufen. Am Runtergehen dieser Stufen kann man erkennen, wie lange die einzelnen Hiker bereits hier unten sind. Ein flüssiges Hinuntersteigen der Treppe gelingt eigentlich nur den Bediensteten, ansonsten kriecht oder klettert jeder Hiker -den Abstieg vom Canyonrand noch in den Knochen- diese Stufen hinab. Ich glaube, anhand des Hinabkletterns jedem Hiker auf den Kopf zusagen zu können, ob er heute, gestern oder bereits vorgestern von oben gekommen ist. Mit dieser Erkenntnis klettern wir selbst die Stufen nach unten, gehen zum Zelt zurück, trinken noch einen Kaffee und Kakao und bereiten unser Equipment für morgen vor. Denn morgen wird es leider knüppelhart: Wir steigen wieder auf!

 
         
 

 25.12.03

  Phantom Ranch - Indian Gardens  
     

Gegen 6 Uhr klingelt der Wecker. Wir wachen langsam auf. Nachdem wir gestern recht früh in den Betten / Schlafsäcken waren, sollte man meinen, eine ausgiebige Nacht hinter uns zu haben. Eine Nacht war es, aber was für eine! Entgegen aller Vorsichtsmaßnahmen hatte ich gestern als kleine Vesper eine Tüte M&M mit ins Zelt genommen und in die Innentasche des Zeltes verstaut. Irgendwann in der Nacht höre ich, wie mir jemand an den Nüssen knabbert. Irgendein Tier versuchte sich von außen durch die Zeltwand an meine M&M heranzumachen. Kurzentschlossen knockte ich von innen gegen die Zeltwand, nahm die Tüte aus der Zelttasche und hatte Ruhe. Vorerst!!! Einige Zeit später vernahm ich ein Tröpfeln auf unserem Zeltdach. Verärgert flüsterte ich Anita ins Ohr: "Jetzt fängt es auch noch an zu regnen." Nachdem sich meine Worte gesetzt hatten, schnellte sie nach oben und rief nur noch: "Unsere Rücksäcke!" Mehr oder eher weniger bekleidet stürzten wir hinaus ins Dunkle und retteten unsere auf den Stangen aufgehängten Rucksäcke vor dem Nass.  Unter der Vordach unseres Zeltes (der erfahrene Zelter spricht von "Apside") fanden sie Zuflucht. Kaum eingeschlafen vernahm ich eindeutiges Rascheln an den Rucksäcken. Offensichtlich hatten die Lebensmittelvorräte (Trockenfutter und PowerBar) meinen M&M-Freund von eben wieder angelockt.  Brüllen, Schimpfen und Werfen half nichts, so dass wir die Backpacks doch mit ins Zelt nehmen mussten, was den Platz sukzessiv verkleinerte.

 
 

Nur nicht verlieren!

 

Nun jedoch sind wir damit beschäftigt, das leicht feuchte Zelt abzubauen und zusammenzulegen, was besser geht als befürchtet. Voll und schwer bepackt "gehen wir`s an". Es stehen uns heute 4,6 Meilen (ca. 7km) und - und das ist das  Schwierige-  450 Höhenmeter. Während die morgige Etappe kontinuierlich nach oben gehen wird, denkt sich der heutige Abschnitt Handicaps aus: 

 
 

Profil des Aufstiegs, 1. Tag

 
 

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Ouuups, Rückenwind!

 

Bereits kurz nach dem Verlassen der Phantom-Ranch und dem Überqueren der langen Hängebrücke ("Silver Bridge") geht der Weg recht steil nach oben... um kurz darauf schon wieder fast bis auf die Ausgangshöhe abzusinken. Dieses Spiel betreibt er zwei- oder dreimal mit uns bis er dann endlich -unserem Flehen folgend- kontinuierlich ansteigt. Der Weg ist anstrengend, insbesondere weil der vorgestrige Abstieg immer noch in unseren Knochen -will sagen Waden- steckt. Wir kommen insgesamt gut voran, obwohl uns immer wieder andere Hiker überholen. Während mich der Ehrgeiz packen könnte, beruhigt mich Anita nach jedem Überholvorgang durch andere Hiker strategisch geschickt mit Erklärungsansätzen: "Der ist jünger als wir!", "Die ist das gewöhnt!", "Die waren schon einige Tage länger unten!" oder "Weiß ich auch nicht, ist aber egal!".

 

Sehr unangenehm ist der mehrmalige, zum Glück nur zaghafte Versuch des Wetters, uns mit Regen zu belästigen, weshalb wir uns mit  Regencapes dekorieren.

 Immer wieder erfolgt der Versuch zu regnen, was Gott sei Dank im Ansatz stecken bleibt.

 
 

Eingangsschild zu Indian Garden

 

Nach vier Stunden und vierzig Minuten erreichen wir gerädert Indian Gardens, eine ebenso beliebte wie belebte Oase der Kühle in der unerträglichen Wüstenhitze So zumindest bei unserem Besuch 2002. Nun aber "drängeln" sich etwa 5 bis 10 Hiker in dieser kühlen und leicht verregneten Wildnis. Auf dem menschenleeren Campground suchen wir die beste Site aus und bauen bei wieder einsetzendem Regen unser Zelt auf. Nach dem Aufbau und dem Innenausbau essen wir hungrig, frierend unsere Dry-Freezed-Nahrung, diesmal "Chicken-Terrijaki", "Nudles with meatsauce" und Vanille-Eis. 

 
  Wärmender Kakao aus der Tüte  

Dazu gibt es Kaffee und unseren letzten Kakao. Die beste Site entpuppt sich nach geraumer Zeit leider als ein faules Ei. Die Nachbar-Site, unmerklich höher gelegen, wird von einer Groß-Familie eingenommen. Jedes Wort schallt wie durch ein Megaphon in unsere Hütte. Wir bekommen mit, dass die Eltern den Kindern wichtige Tipps zum Wandern geben (an dieser Stelle vielen Dank an die Eltern, einige Infos sind auch für uns interessant) und dass die Mutter permanent damit beschäftigt ist, ihre "Hot Chocolate" an den Mann zu bringen, aber und keiner will sie. Nach einer viertel Stunde beginnt sie, ihre Äpfel ebenso eifrig anzupreisen, wobei mir nur über die Lippen rutscht: "Aber die gibt es nur im Doppelpack mit der Hot Chocolate". Trotz Äpfeln, Hot Chocolate usw. duseln wir langsam aber sicher ein bis es gegen Mitternacht plötzlich aber unaufhaltsam anfängt zu stürmen. Es regnet und der Wind pfeift, wie wir es vorher noch nie erlebt haben. Unser Zelt Modell "Tornado light" wird seinem Namen gerecht und der Tornado zwingt es tatsächlich nur "light" in die Knie. Unser "Komfort-Zelt" würde vermutlich nicht so unbeeindruckt darstehen / -liegen. Trotz des kräftigen Sturms duseln wir erneut ein, diesmal mit der Hoffnung, möge morgen früh beim Aufwachen noch das Zelt über uns stehen!

 
         
 

26.12.03

  Indian Garens - Bright Angel Lodge  
 

Fertigmachen zum weiteren Aufstieg

 

Der Wecker klingelt und unsere Augen erblicken den Himmel.........des Zeltes! Alles ist demnach gutgegangen. Wir quälen uns aus den Schlafsäcken, irgendwie ist alles kalt und feucht, einschließlich unserer Nasen. Die Morgentoilette wird aufgrund der widrigen Witterungsverhältnisse ausnahmsweise auf das wirklich Notwendige reduziert, das Zelt -klatschnass- zusammengerollt ("gefaltet" kann man wirklich nicht dazu sagen) und unsere Backpacks aufgeschwungen. Es ist merklich kühler und obwohl wir die schwere Kleidung (Thermo-Ausrüstung) mittlerweile nicht mehr IN DEN Rucksäcken sondern AN UNS tragen, merkt man kaum eine Gewichtsersparnis. Der heutige Hike wird es in sich haben aber was uns später erwartet ist ein Motel, Essen und...Wärme. Wenn wir denn oben ankommen!

 
 

Anita, noch guter Dinge!

 

Mit dem Verlassen der Site macht  Petrus erneut auf sich aufmerksam, so dass wir die Regencapes -zum Glück nur ganz kurz-  auflegen müssen. 

 
 

Profil des Aufstiegs, 2. Tag

 
 

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ANKLICKEN: Schild am 3-Meilen-Resthouse

 

Der heutige Weg ist uns bereits bekannt, da wir ihn letztes Jahr, ebenfalls im Regen schon gegangen sind. Damals aber hatte jeder von uns 20kg weniger drauf, wohlgemerkt nicht auf den Rippen sondern im Backpack. Das Wetter meint es bereits innerhalb der ersten Meile relativ gut mit uns. Es ist zwar kalt und auf einzelnen Passagen unwahrscheinlich windig (was die subektive Temperatur natürlich nochmals um einige Grade absenkt) aber es bleibt zumindest trocken. Der Bright Angel Trail hat auf der Etappe Indian-Gardens und oberen Rim für mich zwei große Vorteile: Nämlich das 3 Meilen-Resthouse und das 1,5Meilen-Resthouse. Obwohl es dort weder Wasser noch Shopping-Möglichkeit gibt, bieten diese Stellen zwei  Motivationsschübe. Der ganze Weg von 4,5 Meilen ist durch diese Breaks fast exakt gedrittelt. Man nutzt die Stellen für eine Verschnaufpause und evtl. etwas Essen. Was aber bleibt sind unerbärmliche 930 Höhenmeter. Dass der Weg -entgegen des gestrigen Abschnittes- kontinuierlich und ausschließlich hoch geht, beruhigt, entschädigt jedoch kaum für die Strapazen. Was zu schaffe macht, sind die angelegten Treppen und Absätze, die zur Befestigung des Weges dienen, mittlerweile  teilweise aber ausgespült sind und die einzelnen Stufen recht hoch macht. Insbesondere Leute, die noch kürzere Beine haben als ich, tun sich schwer. Anita tut sich schwer. 

Wir kommen gut durch und dennoch treffen wir wieder Hiker, die jünger sind, ans Hiken gewohnt sind, länger auf dem Bottom waren usw. Aber diesmal kommen noch weitere hinzu: Nämlich die "Warmduscher", die "nur" einen Tagestrip bis zu den Resthäusern oder Indian Gardens machen.

 
 

ANKLICKEN: Beeindruckende Eiszapfen lassen die Temperaturen erahnen

 

Etwa eine Meile vor dem rettenden Rand erschwert uns auch noch das eisige Wetter und der gefrorene Weg den Aufstieg. Der Weg wird von beeindruckenden Eiszapfen gezäumt und gönnt uns eine zusätzliche kleine Foto- und Verschnaufpause.

 
 

Eiskrallen unter den Hiker-Schuhen

 

Schlimm hingegen: Entgegen aller Erwartungen wird der Weg so glatt, dass wir unsere vor wenigen Tagen erworbenen Spikes unterziehen müssen. Und siehe da, das letzte -ansonsten wohl kaum passierbare- Stück, ist recht gut zu bewältigen.

 
 

Die erste Aufnahme "danach"

 

Nach 5 Stunden und 8 Minuten erreichen wir mit verschneiten Köpfen den Canyonrand. Den Zieleinlauf machen Anita und ich gemeinsam. Welche Gefühle uns jetzt überkommen? 

Für viele Außenstehende unbegreiflich; ehrgeizige Hiker hingegen kennen diese Gefühle und Gedanken nur zu gut: 

"Nie wieder!,    Erschöpfung,    Freude,   Glück,   Stolz, "Noch mal???"

Der Rest des Tages vergeht wie im Flug: Mit Glückshormonen im Blut zum Auto, kurzen wärmenden Kaffee in der Lodge, Einchecken im Hotel, Essen gehen sowie Ausrüstung prüfen und pflegen:

 
 

ANKLICKEN: Blick auf das "bisschen" Equipment

 

Endlich hat es mal geklappt und wir haben eine der  begehrten "Historik Cabins" am Canyonrand ergattern können. Während der Sommermonate ist dies fast unmöglich, für die Winterzeit haben wir jedoch im Oktober/November von Zuhause aus vorbuchen können. Ist ganz nett und urig, allerdings bedarf es einiger Zeit, die Hütte warm zu kriegen. Denn draußen wird es immer eisiger! Drinnen breiten wir unser Zelt und die Schlafsäcke aus um alles zu trocknen. Zunächst staunen wir aber, was wir alles  1500 Höhenmeter runter- und hochgeschleppt haben.

Nach einem kurzen aber genüßlichen Snack in der Lodge eilen wir durch die sibirisch anmutende Kälte zurück zur Cabin und haben nur ein Ziel vor Augen: Im warmen Bett einzuschlafen. Das tun wir jetzt: Gute Nacht!

 
         
 

27.12.03

  Bright Angel Lodge,AZ - Kanab,UT  
 

"Guten Morgen1"

 

Wir erwachen früh,  aber dafür im Warmen. Ein Blick aus dem historischen Fenster lässt uns zufrieden feststellen, dass wir mit unserem Hike runter und hoch genau "just in time" waren und keinen Tag später hätten hochgehen dürfen. Es hat ziemlich geschneit und es ist bitter kalt. Anitas 1$-Thermometer, für dessen Genauigkeit ich nicht garantiere, zeigt jedoch eine Tendenz an: Bei -15Grad ist es stehen geblieben! Bibbernd laufen wir zwischen Cabin und Auto und verstauen unser Equipment.

 Zugefrorener Blazer

Zunächst "heizen" wir unser Auto an oder auf. In Deutschland würde man uns prügeln, hier ist das durchaus üblich: Vor dem Losfahren erstmal den Wagen 10 Minuten laufen lassen, damit Auto und Mensch Betriebstemperatur erreichen. Wir schließen uns dieser Prozedur widerwillig aber gleichzeitig gerne an: Die Scheiben sind zugefroren und wir heben weder Eiskratzer noch chemische Helfer. Nach einigen Minuten sind die Scheiben klar und die uns umgebende Luft nebelig. Wir rollen langsam los, der Schnee knirscht abenteuerlich unter den breiten Reifen des Gefährts. Nach dem Checkout noch ein nettes Frühstück in der Lodge und sodann fahren wir über verschiedene Aussichtspunkte am East-Rim-Drive Richtung Parkausgang. Auf dem East-Rim-Drive werden heute Schneeketten und Winterreifen empfohlen. Außer viel Erfahrung beim Fahren im Schnee habe ich von den beiden erstgenannten Dingen nichts. Unsere Fahrt verläuft unkompliziert, zumindest für uns. Anderen Fahrern ergeht es bedauerlicherweise anders: Auf den wenigen Meilen bis zum Parkausgang sehen wir drei Wagen, die unmittelbar vor uns von der Straße abkommen, in den Graben rutschen und Kontakt mit der Flora aufnehmen. Übrigens, mindestens zwei der drei verunfallten Fahrzeuge wurden von japanischen Touristen in die Botanik gesteuert. Böse, wer da denkt, die japanische Eifrigkeit, ganz Amerika in 7 Tagen zu sehen, könnte Ursache dieser Kollisionen sein...

 
 

ANKLICKEN: Eindrucke vom weißen Grand Canyon

 

Aber von diesen Unglücken abgesehen erleben wir den Grand Canyon erstmalig im weißem Kleid.

 
 

Fahren bis zum Abwinken

 

Unser nächstes Ziel? Ja, den Rest des Jahres haben wir noch gar nicht verplant und so entscheiden wir uns spontan, als Fernziel vermeintlich wärmere Regionen anzusteuern, weshalb wir den Weg in Richtung Death Valley einschlagen. Hinter Page auf der der 89 entscheiden wir uns spontan, uns auf die Fersen gleichgesinnter USA-Erfahrener zu heften und den auf einer Homepage entdeckten Aussichtspunkt über den Lake Powell zu suchen. Also kippen wir über den rechten Flüge bei Big Water ins Hinterland. Nach etwa 15 Meilen Straße abseits jeglicher Zivilisation erkennen wir,  zwar nicht den Weg zum Aussichtspunkt gefunden, stattdessen aber einen schönen Weg für eine Route im kommenden Sommer entdeckt zu haben. Mit dieser Erkenntnis kehren wir zurück auf die 89 und fahren -entgegen unserer morgendlichen Planung- statt bis Hurricane nur bis Kanab, wo wir in der Quail-Park-Lodge nächtigen werden. 

 
 

Sonnenuntergang

 

Ein kurzer Abstecher zum hiesigen Mc.Donald`s bestätigt uns noch einmal sehr eindringlich unsere Meinung, dass hier einer der schlechtesten Mc.Donald`s existiert, die wir kennen. Der Boden ist schmuddelig, der Service tendenziell unfreundlich, dafür aber langsam. Spontan entscheiden wir uns um, verlassen den Ort und wechseln wenige Straßenzüge weiter zum Pizza-Hut, wo wir freundlichst und üppig bedient werden. Kleine Randbemerkung: Kanab hat den schlechtesten Mc.Donald`s, den wir kennen, aber den dafür für uns mit Abstand besten Pizza Hut. Die Pizza ist dick belegt, das Salat-Buffet reich bestückt und die Bedienung....ist auch gut.

Wohlgenährt, kugelrund und mit dem Rest der Pizza im Dogy-Bag kehren wir zurück zur Lodge, um ziemlich schnell ermüdet einzuschlummern. Gute Nacht!

 
         
 

28.12.03

  Kanab,UT - Pahrump,NV  
 

ANKLICKEN: Anita und unsere Scones

 

Aufstehen, Morgentoilette, Wagen beladen und los geht es, um in etwa 16 Meilen wieder im Golden Hills Restaurant zu frühstücken. Die selbe Bestellung wie vor paar Tagen, aber diesmal mit Orangen-Saft. Was nicht fehlen darf sind die Scones, die auch sogleich serviert werden. Geschockt sehen wir, dass die Bedienung außer den Scones und der wahrscheinlich schon zig Jahre alten Honey-Butter-Quetschflasche eine weitere, nagelneue Quetschflasche bringt: "Rasperry Honey Butter" springt uns in die Augen. Naiv frage ich Anita, ob denn da wohl tatsächlich Himbeere mit drin ist. "Quatsch, bei unserem Akazien-Honig sind ja auch keine Akazien drinn, vielmehr stammt der Honig von Bienen, die wiederum usw....." 

Das wusste ich auch! 

"Die Amerikaner",  führt sie fort, "werden ja wohl keine Himbeeren....   Doch, sie tun es!" Tatsächlich, beim Öffnen der Quetschflasche ergießt sich eine rosafarbene Paste, die unsere Scones geruchlich wie geschmacklich unwiederbringlich ungenießbar machen würde. Also bleiben wir standfest bei unserer Flasche, die selbe Flasche, die wir wahrscheinlich schon letztes Jahr und vorletztes Jahr und die Jahre davor freudig quetschen durften.

 
 

Zion mit Schnee

 

Nach diesem kulinarischen Höhenflug fliegen wir weiter durch den Zion, der sich diesmal für uns in Weiß gekleidet hat. Über den Hügeln liegt dicker Schnee  und riesige mammuthafte Eiszapfen zieren den Weg, was unsere Kameras heißlaufen lässt.  

Wir haben den Weg über Las Vegas gewählt um hier beim Walmart erste Abzüge unserer Digitalfotos machen zu können. Die Stunde Warten im Rahmen des "1-Hour-Service" wollen wir nutzen um in unserem danebenliegenden Storage unser Trekking-Equipment, was wir jetzt nicht mehr benötigen, abzuladen.

 
 

 

 

Der 1-Hour-Service entpuppt sich zum Hindernis. Wir benötigen allein etwa 1 Stunde, um nur an das Gerät heranzukommen. Ein frischverheiratetes Paar nimmt das Gerät mit dem Einscannen ihrer Hochzeitsbilder in Beschlag. Wir stehen daneben und kennen nach einiger Zeit nun das Brautpaar, ihre Eltern, seine Eltern, die Gäste, das Hochzeitskleid, den Brautstrauß, einfach alles! Endlich kommen wir an das Lesegerät und stellen fest, dass unsere frisch gebrannte CD nicht gelesen wird. Nach mehrmaligen Versuchen gehen wir ins Auto und überspielen die Bilder auf de, Laptop auf mehrere Speicherchips. Zurück bei Walmart wird nun auch unsere Speicherkarte nicht gelesen, wir sind dem Verzweifeln nahe. Der "Bräutigam" steht immer noch in der Nähe des Gerätes und weist mich nun darauf hin, dass das Gerät defekt sei, wir unsere Daten aber direkt an der Theke zum Auslesen abgeben können. In mir bricht eine Welt zusammen, das hätte er mir auch vor einer Stunde schon sagen können. Also zurück zum Auto, CD holen und an der Theke abgeben. Doch das geht nun doch nicht so einfach, stattdessen geht die Mitarbeiterin zum bereits bekannten Lesegerät und versucht krampfhaft und zunächst erfolglos unsere CD erneut lesen zu lassen. Und siehe  da: nach einigen Fehlversuchen wird die CD nun doch endlich gelesen und wir können den Auftrag abgeben.

 
 

FAZIT:

  Stunde umsonst vor dem Gerät gewartet, 

3  Speicherkarten umsonst beschrieben und  

2  Stunden in den Sand gesetzt.

 
 

Abendstimmung im Auto

 

Um Trekking-Equipment erleichtert und viele Walmart-Bilder beschwert fahren wir durch bis Pahrump. Da die Zeit mittlerweile vorangeschritten ist und es schon ziemlich dunkel ist, entschließen wir uns, im hiesigen Best-Western zu übernachten. Wir gönnen uns also noch eine Motel-Nacht bevor es ab morgen wieder in die Wildnis geht. Also dann, bis morgen!

 
         
 

29.12.03

  Pahrump,NV - Death Valley, Cottonwood Canyon,CA  
 

Best-Western-Motelzimmer

 

Wir wachen im sehr ordentlichen Best Western-Motel auf, obwohl es -die aufmerksamen Leser wissen dies schon- nicht unser Stil ist. Das Motel gehört zu einer Kette, wir hingegen favorisieren die einfacheren, privat geführten Motels im echten amerikanischen Stil der 50er und 60er Jahre. Es ist leider zweietagig und auch hat auch noch den Flur innen, statt -wie es sich für Klassiker gehört- nach außen hin. Aber, gestehen müssen wir, es ist in einem topp Zustand, sehr große Zimmer und hervorragend gepflegt. 

Lassen wir es also als eine nette Bereicherung stehen ohne jedoch zukünftig auf unsere "Favourits" zu verzichten.

 
 

ANKLICKEN: Temperatur-Gefälle

 

Nach dem Continental -Breakfast füllen wir bei Smith unsere Vorräte auf: Grillfleisch, Getränke, Einweggrills usw. Vollbepackt fahren wir Richtung Death Valley. Gerne wollen wir die nächsten zwei oder drei Tage nutzen, um das Gebiet von Saline Valley zu erkunden, zumal es dort die Möglichkeit geben soll, auch im Winter in einem der heißen Quellen  zu baden. Aus bekanntem Grund haben wir  auf  dieses Vorhaben im August auf unserer "Musketeer-Tour" verzichtet. Unsere erste Station ist das Visitor-Center. Das Thermometer zeigt, abweichend vom August, rund 55 Grad Fahrenheit weniger an. Was so ein paar Wochen doch ausmachen kann.

 
     

Ja, auch diese Planung wird aufgrund der Witterungsverhältnisse über den Haufen geworfen: Eine Zufahrtstrecke zu Saline Valley ist wegen Schnee geschlossen, die andere jedoch noch geöffnet. Unsere Freude wird allerdings jäh gedämpft, als uns die Rangerin eindringlich warnt, nach Saline Valley zu fahren. Wir kommen zwar problemlos rein, aufgrund eines angekündigten Sturmes muss davon ausgegangen werden, dass wir in den nächsten Tagen -zumindest ohne Schneeketten- nicht mehr raus können. Hätten wir hingegen eine Woche Zeit, dann wäre das problemlos möglich, weil der Schnee "irgendwann einmal" ja wieder schmelzen wird. Also verlegen wir unser Vorhaben erneut auf den nächsten Urlaub. Im Sommer ist dann  auch "kein Schnee" garantiert. 

 
 

Flott durchs Gelände

 

Nun aber müssen wir uns um eine Übernachtungsmöglichkeit bemühen. Die Auswahl an regulären Campgrunds ist derzeit geschmälert: Entweder liegen sie zu hoch, um einigermaßen angenehm und warm zu übernachten, oder aber sie sind im Tal und recht unattraktiv angelegt (z.B. Sunset). Der nett angelegte Campground bei Furnace Creek ist leider voll. 

Und so entscheiden wir uns wild zu campen. Im Death Valley ist wildes Campen erlaubt, soweit es nicht explizit verboten ist. Daher suchen wir uns auf der Karte Gebiete aus, auf denen das Campen nicht explizit verboten ist und die gleichzeitig wegen der Witterung auch nicht zu hoch gelegen sind. Wir entscheiden uns für den Cottonwood-Canyon. Hier besteht nur auf den ersten acht Meilen Campverbot. Die Road ist zwar unpaved aber so gut angelegt, dass wir mit unserem Blazer in keinster Weise Schwierigkeiten haben. Lediglich das unangenehme Geholpere des Weges macht uns zu schaffen.

 
 

Die Landschaft verwischt im Rausche der Geschwindigkeit

 

Auf der Strecke bieten sich eine Vielzahl von guten Camp-Möglichkeiten an, doch leider sind wir immer noch in der "Acht-Meilen-Zone". Nach annähernd acht Meilen erhebt sich ein kleines Plateau vor unseren Augen, das sich ebenfalls gut zum Campen eignen würde. Mehrere Autos parken dort, vermutlich ist es der Trailhead für mögliche Hikes. Wir fahren an dem Plateau vorbei und haben nach unseren Berechnungen gerade die Acht-Meilenzone überschritten, so dass wir nun  überall Zelten dürften. Doch leider finden wir plötzlich keinen guten bzw. sicheren Platz. Wir befinden uns bereits in einem Tal mit einer Wash. Der angekündigte Sturm hält uns davon ab, uns in einer evtl. zur Todesfalle sich entwicklenden Wash zu positionieren. Leichter Regen kann sich hier -wie wir vor einigen Jahren miterlebt haben- innerhalb kürzester Zeit zu sintflutartigen Überschwemmungen entwickeln. 

 
 

Fahren macht Spaß

 

Nun suchen und suchen wir nach einem netten Platz, werden aber nicht fündig: Die unpaved Road entwickelt sich zu hartem Gelände, so dass sogar Schrittgeschwindigkeit bereits alles mögliche überschreitet. Auf etwas höher gelegenen Plätzen, die vermeintlich sicherer sein können, wird bereits gecampt, weshalb wir  dieses Vorhaben abbrechen. Es würde wenig Sinn machen, diesen Weg weiter zu befahren (besser: zu "erkämpfen") , da das Tal zunehmend enger und somit noch gefährlicher wird. Wir kehren um, fahren die Strecke komplett zurück um uns noch einmal auf den vorhin erwähnten Campgrounds nach einem lauschigen Plätzchen umzusehen. Der Campground bei Stovepipe Wells hat neben den "Sites by Site-Sites" eine etwas abgelegenere Campsite, doch dieser wird -man mag es kaum glauben- gerade in dieser Sekunde von einem anderen Camper belegt. Böse Worte mit "Sh.." und "F..." anfangend  wechseln zwischen Fahrer und Beifahrerin. Doch "nichts ist umsonst", wie wir noch sehen werden: Wir fahren weiter zu einem weiteren Campground, dem Emigrant. Campground ist nun wirklich zuviel gesagt, vielmehr ist es ein einfacher nicht asphaltierter Parkplatz, der etwa 10 bis 12 Campern Platz bietet. Das hat nun wirklich nichts mit der Abenteuer-Romantik aus der Marlboro-Werbung zu tun, auf die wir gehofft hatten. Wir nehmen nochmals Anlauf zum erstgenannten Canyon. Per Tachometer und GPS-Navigation errechnen wir, ob das erste Plateau innerhalb oder doch schon außerhalb der "Acht-Meilen-Zone" liegt. Beide Messverfahren sind sich einig: es liegt innerhalb und somit dürfen wir hier noch nicht campen. 

Wir nehmen das nun beginnende harte Gelände in Kauf und fahren doch noch ein Stück in den Canyon rein und siehe da: Auf einem der höher gelegenen Plateaus außerhalb der Wash ist mittlerweile ein Camper weggefahren, so dass wir beschließen: Das ist unser Nachtquartier. Doch zunächst müssen wir den Weg dorthin noch finden und uns mit unserem Auto dorthin  quälen. 

 
 

ANKLICKEN: Abendliches BBQ

 

Nach kurzer professioneller Begutachtung "Müsste doch eigentlich gut gehen, oder?"  bauen wir unser Zelt recht flott auf. Innerhalb weniger Minuten steht alles: Das Zelt, unsere neu erworbenen Campingstühle und das Essen auf dem Tisch. Tisch ist nicht richtig, vielmehr verhelfen wir unserer "kleinen handlichen" Kühlbox zu einer erweiterten Funktion!

 
 

Unser Hauszelt in der Dämmerung

 

Mit dem Ende des Festmahls kehrt allmählich Abenteuer ein: Es wird dunkel, es wird sogar verdammt dunkel, nur in der Ferne ist  das Licht eines Campers zu sehen. 

Und es wird leise, so leise, wie wir es noch nie gehört haben: Lediglich Stimmen der anderen Camper sind gelegentlich in der Ferne zu hören, ansonsten ist es die stillste Stille, die man sich vorstellen kann. 

Es geht kein Wind, kein Tier ist zu hören und sogar das Zelt, das sonst immer wieder mal Geräusche von sich gibt, passt sich der gespenstischen Stille an. Wir verkriechen uns in unsere Schlafsäcke, was in der Stille einen riesigen Radau macht.

 
         
 

30.12.03

  Death Valley,CA  
 

Aufbruch in der Dunkelheit

 

In aller Herrgottsfrühe wachen wir auf. Anita berichtet, in der Nacht ein Schnaufen und Hecheln an unserem Zelt gehört zu haben. Nachdem sie sich überzeugt hatte, dass es nicht von mir stammt, hat sie es einem Coyoten zugeschrieben, der uns jedoch nicht weiter belästigt hat. 

Wir beschließen, eine weitere Nacht an diesem Ort zu verbringen und ersparen uns damit den Abbau des Zeltes. Nach der morgendlichen Toilette fahren wir über die bereits genannte happige Strecke über Stovepipe Wells nach Furnace Creek, um dort ein kurzes Frühstück zu uns zu nehmen und dort -trotz der Kälte- zumindest kurz auf "unserer" Bank vor dem General Store zu sitzen. 

 
 

Hier ist fasrt jede Straße unensdlich

 

Das nächste Ziel wird das in der Nähe gelegene "Salt Creek" sein. Kleine Fische haben sich im Laufe der Evolution darauf spezialisiert, in diesem extrem salzigen Bächlein zu überleben. Doch die Fischchen sind zur Zeit nicht aktiv. Diesen Weg hierher machen wir zum dritten Mal und zweimal bereits vergebens. Wir fahren weiter, um uns für den Sommer einen weiteren Campground anzusehen: Paramint.

 
 

Unerwartete Begegnung

 

Was uns erwartet, erstaunt uns: Der Campground ist voll, besetzt mit Campern und ihren Pferden, vermutlich ein Treff interessierter Pferdefreunde.

 
 

Die schneegeschwänegrten Wolken versperren den Blick auf unseren Teleskop-Peak

 

Da wir eh schon mal unterwegs sind, steuern wir nun Wildrose an, einen Campingplatz, der auf halber Strecke zu Mahagony-Flat liegt, wo wir im August auf dem Weg zum Telescope Peak unser "Basis-Lager" hatten. Wildrose liegt unmittelbar vor uns und es ist recht kalt. Wir beschließen, den Weg weiter zu fahren. Auf dem Weg dorthin gewinnt die Strecke mit zunehmender Höhe an Kälte und Schnee. Der Blick auf den Telescope Peak wird uns leider durch tiefhängende Schneewolken versperrt. 

 
 

ANKLICKEN: Holzkohle-Meiler in weiß

 

Die Holzkohlemeiler begrüßen uns diesmal weiß gekleidet, was sie nicht weniger attraktiv erscheinen lässt als im sommerlichen Braun. Anita möchte aufgrund des Schnees ungern weiterfahren, doch mich packt nun der Ergeiz,  unser damaliges Basis-Lager im Schnee zu sehen, weshalb wir die Plätze im Auto wechseln. 

 
 

 

Der Schnee wird zunehmend tioefer und macht den Weg unpassierbar

 

 

Mit Allrad und Schwung kraxle ich flott den Weg in Richtung Mahagony-Flat hoch, doch der Schnee wird tiefer und tiefer. Mittlerweile bestimme nicht ich den Weg mehr, vielmehr gibt  eine bereits gefahrene Spur dem Wagen  die Richtung vor. 

Auf vermutlich halber Strecke ist der Schnee so hoch, dass bereits alles vier Räder bergaufschlingernd durchdrehen, jedoch synchron. Da weder Mensch noch Auto weit und breit zu sehen sind, drehen wir aus Sicherheitsgründen um. Dieser Entschluss fällt mir schwer ist aber auch nicht zu umgehen. 

 
 

ANKLICKEN: Einer der schönsten je gesehenen Sonnenuntergänge

 

Dafür werden wir auf dem Rückweg von einem der schönsten Sonnenuntergänge , die wir je erleben durften, ausreichend entschädigt...

 
 

Harry und das beste Stück Fleisch der Welt

 

Auf dem Rückweg machen wir im Saloon von Stovepipe Wells Station, um dort just in time zu den ersten Gästen zu gehören, die eingelassen werden. Dort essen wir wieder "das beste Stück Fleisch der Welt". 

Erstaunlich, es bedient eine völlig neue Crew, kein einziges bekanntes Gesicht ist zu sehen.

 
 

Der Generalstore von Stovepipe Wells im Sonnenuntergang

 

Der Saloon bei NAchtNach etwa einer Stunde verlassen wir wohlgenährt den Saloon und erfreuen uns an der nächtlichen Illumination unseres geliebten Motels:

 
 

Das einzige was weit und breit zu sehen ist, ist unser erleuchtetes Zelt

 

m Stockdüsteren  fahren wir den uns bereits gut bekannten Weg zu unserem Zelt. Die Dunkelheit macht die Strecke weder kürzer noch angenehmer und so dauert es eine ganze Zeit, bis wir in der Ferne im Lichtkegel unserer Scheinwerfer unser Zelt entdecken können. Wir kraxeln mit unserem Allradler das kleine Plateau hoch und überzeugen uns zunächst mit unseren Taschenlampen, dass weder Dieb, Coyote noch Tarantel unser Zelt während unserer Abwesenheit eingenommen hat. 

Nach genauer Durchsuchung stellen wir fest: Nichts fehlt, alles ist da und nichts ist zuviel. Im Gegensatz zu gestern ist jedoch kein einziges Licht weit und breit zu sehen, offensichtlich gehört uns beiden heute Nacht der ganz Canyon ganz allein. Und so schlummern wir wieder gemütlich in unseren warmen Schlafsäcken ein.

 
         
 

31.12.03

  Death Valley,CA - Las Vegas,NV  
 

It s a  long long road...

 

Wir erwachen -Gott sei Dank- an der selben Stelle und überlegen uns, wie wir Sylvester verbringen wollen. Gerne möchte ich meine neue Digitalkamera in Las Vegas zum Jahreswechsel ausprobieren und so suchen wir auf der Karte nach geeigneten Nachtlagern. Wir entdecken einen Campground bei Las Vegas Beach und steuern diesen an. 

 
 

ANKLICKEN: Endlich zeigt er sich

 

Jedoch nicht ohne in der Nähe von Bad Water endlich einen ungestörten Blick auf den Telescope Peak zu werfen, den wir vor wenigen Wochen bezwungen haben.

Auf dem weiteren Weg  erfahren wir, dass es auch bei Red Rock einen Campground gibt. Da dieser näher liegt, ist er nun unser erklärtes Ziel. Dort angekommen stellen wir jedoch leider fest, dass die Busineness-Hours so geschickt gelegt worden sind, dass kein Camper nach 10Uhr abends auf den Platz kommen kann. Damit ist unser Vorhaben hinfällig, diesen Campground als Ausgangslager für eine nächtliche Exkursion nach Vegas zu nutzen. Somit nehmen wir wieder unseren Plan A und unsere Fahrt auf und entscheiden uns in Vegas, in unserem Rodeway Inn, das wir ab 1.1. reserviert haben, nach einer Übernachtungsmöglichkeit für heute zu fragen.

 
 

Die Suite enttäuscht uns

 

Unser Plan ist ebenso erfolgreich wie teuer: 

Die Suite kostet für diese Nacht nicht weniger als $160, im Vergleich zu "unserem" Frontier, das wir sonst meist wählen, mit rund $280 sogar noch recht preiswert.

 
     

Nach erstem "Umpacken" unseres Gepäckes gehen wir um 18Uhr zu Fuß auf die Piste. Unser Aussichtspunkt aus 2001 und 2002 ist leider den Erweiterungsarbeiten des Cesars Palace zum Opfer gefallen, so dass wir den Strip mehrmals auf großer Strecke hoch- und runtergehen um schließlich einen netten Platz für das Feuerwerk zu finden.

 
 

ANKLICKEN: Der Strip am New Year Eve

 

Die Stimmung ist gut, jedoch nicht so überschwappend wie vor zwei Jahren, als sich  im Schatten des 11.Septembers  fast ganz Las Vegas in den Armen lag. Der diesjährige Jahreswechsel in Vegas wird durch Attentatsdrohungen überschattet, was seine Wirkung offensichtlich zeigt. Es sind deutlich weniger Feiernde auf der Straße, stattdessen ein stark vermehrtes Polizeiaufgebot, und zwar auf der Straße wie in der Luft. Permanent fliegen am für die normale Luftfahrt gesperrten Himmel Polizeihubschrauber mit starken Suchscheinwerfern den Strip rauf und runter. Eine Atmosphäre wie bei "Apokalypse now". Die übriggebliebenen Feiernden stört das wenig. Im Dunste des Alkohols betreiben sie weiterhin ihre Spielchen und bestaunen gegen Mitternacht das etwa siebenminütige fantastische Feuerwerk.

 
 

Gedränge, Geschubse...

 

Kaum sind die letzten Sterne des Feuerwerkes verglüht, gerät der Strip in eine kaum auszumachende Bewegung. Jeder geht, aber keiner kann eigentlich sagen wohin. Von oben betrachtet sieht man nur eine sich bewegende Menschenmasse, in die wir uns nach einiger Zeit einordnen und dann nach einer halben Stunde  vor unserem Hotel ausspucken  lassen. Geschafft! Mit "Happy New Year" (bei alkoholisierten Amerikanern etwa "Hebi-nu-jie") verkriechen wir uns in die Betten.

Jedoch nicht, ohne einen Entschluss zu fassen: Beim nächsten Mal werden wir wohl doch wieder im Frontier landen, das Rodeway Suites and Inn begeistert uns -trotz angenehmeren Preisen- nicht wirklich.

 
         
 

01.01.04

  Las Vegas,NV  
 

ANKLICKEN: Der Besatz unseres Stores nicht gefährliche Ausmaße an

 

Für unsere Verhältnisse stehen wir außerordentlich spät auf (9,30Uhr) und gehen zum Shoppen: Wal-Mart (diesmal ohne Schwierigkeiten einen zweiten Schwung Bilder machen lassen) und Beltz, der jetzt nicht mehr Beltz sondern "Las Vegas Outlet" heißt. Viele viele Mitbringsel und zwei Hemden von Nautica stehen auf der Erfolgsliste. Während Anita ihre supergute "Pretzel" mit Salt isst, bestelle ich trotz des Wetters zwei Kugeln Eis: Coconut-Pineapple und Strawberry-Cheese-Cake. So vergeht der Tag mit Shoppen, Packen und Sachen im Storage verstauen viel zu schnell.

 
 

ANKLICKEN: Feinmachen!

 

Jedoch nicht ohne unseren Wagen für den Boulevard fein  zu machen...

 
 

Anita beim Sizzlers

 

und abends beim Sizzler Sirloin-Steak bzw. Steaks and Shrimps und Salat-Bar zu essen. Mehrmaliges Auf- und Runtercruisen des überfüllten und kalten Strips bieten Möglichkeiten, meine Kamera heißlaufen zu lassen. Nach einem Abstecher beim "World`s largest Giftshop-Bonanza" fahren wir Richtung Motel und Betten. 

Gute Nacht!

 
         
 

02.01.04

  Las Vegas,NV  
 

Liberty-Statue vor dem Hotel "New York - New York"

 

Nach dem Erwachen nehmen wir unser typisches Frühstück zu uns: Bearclaws und ein paar Kekse. Nach dem letzten Umpacken (die letzten Tage zeichnen sich meist überwiegend durch Ein-, Aus- und Umpacken aus) fahren wir noch ein paarmal über den Strip (Motive gibt es immer), der sich bereits von uns verabschiedetVegas sagt "Tschüß"

Und natürlich führt uns der Weg auch wieder zu einem  Wal-Mart, der ziemlich neu ist. Er ist gut sortiert und wird sicherlich beim nächsten Urlaub unser erstes  Einkaufsziel sein. Noch einen kurzen Abstecher zum Beltz, der ja nun nicht mehr Beltz heißt, um wieder eine absolut tolle Pretzl zu essen. Nun heißt es, nochmals in den Storage zu fahren, um alles zu verstauen und mit einer Plane abzudecken. Traurig nehmen wir Abschied vom Gepäck und fahren zur Henkersmahlzeit zum Denny`s. Ach ja, man mag es kaum glauben. 

Wir müssen doch noch eine Tasche kaufen, unser Storage ist zum Bumerang geworden. Nachdem wir ja kaum noch Gepäck hin und herfliegen müssen, glaubten wir zukünftig mit zwei Reisetaschen auszukommen. Die Mitbringsel kosten jedoch Platz, weshalb dieser Platz nicht ausreicht.  

Und damit ist dieser Tag schon fast wieder um: Mit einem letzten Cruisen über den Strip nehmen wir Abschied von Las Vegas und sagen schon mal "Tschüß, bis zum Sommer".

 
         
 

03.01.04

  Rückflug Las Vegas - Phoenix - London - Köln  
 

Der Autor

 

Das letzte Erwachen in Vegas und wir haben im Gegensatz zu sonst Zeit ohne Ende. Nachdem unser Flieger erst gegen 15:40 gehen wird, lassen wir uns Zeit mit dem Aufwachen, einem letzten amerikanischen Bad, unserem Frühstück (Bearclaws und Brownie) und dem Runterschleppen unseres Gepäckes. Gegen 10Uhr checken wir aus, fahren schon wieder aber diesmal wirklich letztmalig am Storage vorbei (haben doch noch vergessen, ein paar Dinge dort unterzubringen) und fahren weiter zum Flughafen. Während Anita gerade das Auto zu Alamo bringt, sitze ich in der Ecke rum und tippe die letzten Aktualisierungen ein. 

Dabei denke nochmals intensiv über unseren schönen aber viel zu kurzen Urlaub nach, 

an den Abstieg zur und noch viel mehr an den Aufstieg von der Phantom-Ranch, 

an das milde Wetter unten und das "verdammt kalte" Wetter oben, 

an das Zelten bei klirrenden -10Grad, 

an die beeindruckende Einsamkeit und an das quirlige Leben an Sylvester am Strip...........

und daran, dass die nächsten Monate nicht so lange dauern sollen, damit wir im Auto bald wieder unser Lied von Westernhagen spielen können: 

 

 
  "Ich bin wieder hier... in meinem Revier...war niemals weg...."  
     
 

Ach ja, und unsere Postkarte ist auch angekommen!  

Die "technischen" Daten:

Dauer des Urlaubs:

15  Tage

Bundesstaaten: Nevada, Utah, Arizona, Kalifornien

Gefahrene Meilen:

ca. !500 Meilen

Getankt:

 

Wanderungen:

Grand Canyon / Inner Canyon. 

1. Tag: Über den South Kaibab Trail zur Phantom Ranch (7 Meilen / 1500 Höhenmeter

2. Tag: Phantom Ranch

3. Tag: Aufstieg über Bright Angel Trail zu Indian Garden ( 4,7 Meilen / 450 Höhenmeter)

4. Tag: Aufstieg von Indian Garden zum South Rim (4,6 Meilen / 930 Höhenmeter)

Länge gesamt:  ca. 16 Meilen / 26km

Hiking-Zeit:

 6 Std. + 4,5, Std. + 5,25 Std.

Niedrigste Temp.:

- 10 Grad (Zion N.P.)

Höchsttemperatur:

ca. 15 Grad (Phantom Ranch)

Filmverbrauch:

2169 Digitalbilder

Eindrücke:

wieder unzählbar / unbeschreibbar

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